Thane Krios hat geschrieben: 10.10.2026 12:06
@Johannes und Dibbl
Ich antworte euch mal gleichzeitig, da eure Kritik in die gleiche Richtung geht (wenn auch im Fall von Johannes mit unnötiger Polemik). So wie ich euch verstehe, werft ihr good luck und mir vor, wir würden die positiven Dinge nicht erwähnen und stattdessen nur das negative Haar in der Suppe suchen. Das weise ich jedoch zurück. Ich bin mit dem bisherigen Saisonverlauf sehr zufrieden, was auch in den entsprechenden Spieltagsthreads kommuniziert wird. Auch hinter den Grundzügen der Kaderplanung stand und stehe ich voll und ganz. Schließlich wurde hier ja auch genau das umgesetzt, was ich mir seit Jahren gewünscht habe. Zwergenrentner und Ballerinas durch jüngere Spieler mit mehr Size und Härte auszutauschen. Auch hinter der Idee McCrea stand ich v.a. wegen der Aussicht auf den deutschen Pass. Aktuell gebe ich aber zu, dass er selbst als AL eine große Verstärkung ist. Genauso ist Hoefenmayer deutlich stärker als von mir befürchtet. Da hab ich kein Problem das zuzugeben.
Eine grundsätzliche Zufriedenheit ist aber nicht deckungsgleich mit Hirn ausschalten vor lauter Begeisterung und die Probleme zu ignorieren. Genau das ist weiten Teilen des Forums und der Augsburger Fanszene insgesamt in den letzten Jahren immer wieder passiert. Die Situation auf der Centerposition ist alarmierend und ich kann einfach nicht verstehen, warum die Verantwortlichen derart zögerlich reagieren. Man kann doch nicht glauben, dass man sich dauerhaft mit Centern wie HM und Scheel in diesen Rollen durchmogeln kann. Das war gestern eine Energieleistung, die man so nicht beliebig wiederholen kann.
Niemand wirft dir oder Jürgen vor, dass ihr nur das Negative seht und das Positive nicht anerkennen könnt. Ihr bewertet vieles deutlich skeptischer als beispielsweise ich, aber das ist doch vollkommen okay. Gerade unterschiedliche Sichtweisen machen eine Diskussion interessant.
Im Gegenzug unterstellst du allerdings allen anderen, dass sie alles gut finden, solange es halbwegs läuft, und über offensichtliche Schwachstellen hinwegsehen. Das stimmt schlicht nicht, und ich weiß auch nicht, wie du darauf kommst.
Ob das Unterzahlspiel gegen Köln und München, der trotz des Sieges insgesamt schwache Auftritt in Iserlohn oder die fehlende Tiefe auf der Center-Position: Es gibt genügend Dinge, die man kritisch sehen kann und die hier auch regelmäßig angesprochen werden – völlig unabhängig davon, ob jemand zu den vermeintlichen „Kritikern“ oder „Schönschreibern“ gehört.
Niemand behauptet, dass man nichts kritisieren darf oder soll. Du hast vollkommen recht, dass es immer Verbesserungspotenzial gibt. Schließlich ist es unmöglich, in sämtlichen Bereichen optimal aufgestellt zu sein.
Es gibt aber einen entscheidenden Unterschied zwischen konstruktiver Kritik und Kritik um der Kritik willen.
Über unterschiedliche Meinungen und sachliche Kritik diskutiere ich gerne, auch ausführlich und im Detail. Was du hier und auch im Krefeld-Thread machst, geht für mich allerdings in eine andere Richtung. Du suchst regelrecht nach etwas, das du kritisieren kannst, und konstruierst dabei teilweise Probleme, wo überhaupt keine sind.
Nehmen wir die Diskussion um den zehnten Ausländer.
Niemand widerspricht dir, dass ein zehnter AL sportlich sinnvoll wäre. Du leitest daraus allerdings ein völliges Unverständnis gegenüber den ominösen Verantwortlichen ab, die offenbar zu blind sind, um das zu erkennen.
Wer sind denn diese Verantwortlichen? Im sportlichen Bereich sind das Peters und Larry. Deren Leistung wird an der sportlichen Performance gemessen, nicht an der wirtschaftlichen Bilanz. Warum um alles in der Welt sollten die beiden freiwillig auf zusätzliche Qualität verzichten und damit ihre eigenen sportlichen Ziele gefährden?
Die Antwort ist vermutlich dieselbe wie auf die Frage, warum Iserlohn noch nicht einmal einen neunten AL verpflichtet hat: Es fehlt schlicht am entsprechenden finanziellen Spielraum.
Es gibt also vermutlich gar keine ominösen Verantwortlichen, die keinen zehnten AL wollen. Vielmehr verhalten sie sich wie Erwachsene, die wissen, was sie sich leisten können, statt wie ein kleines Kind ständig nach einem weiteren Eis oder Spielzeug zu verlangen.
Und damit sind wir beim Krefeld-Thread, wo für mich dieselbe Argumentation erkennbar wird.
Freu dich meinetwegen über Krefelds Erfolg. Aber warum musst du diesen zwanghaft mit Augsburg verknüpfen und daraus die Frage konstruieren, warum man das bei uns nicht hinbekommen habe, obwohl uns doch angeblich erzählt wurde, wie schwierig die Kaderplanung bei einem späten Planungsbeginn sei?
Die Ausgangslage ist offensichtlich eine völlig andere.
Wir standen nach 2022/23 praktisch ohne Kader da und mussten uns auf einem weitgehend leer gefegten deutschen Transfermarkt bedienen. Das führte dazu, dass wir Jahr für Jahr deutsche Spieler verpflichten mussten, die qualitativ nicht ausreichten und anschließend wieder ersetzt werden mussten. Diesen Rucksack haben wir über Jahre mitgeschleppt. Erst jetzt, nach drei Jahren unter Larry, steht endlich wieder ein vernünftiges deutsches Fundament.
Krefeld dagegen musste seine deutschen Spieler gar nicht erst auf dem Transfermarkt finden. Sie konnten schlicht diejenigen behalten, die bereits da waren.
Und genau darum ging es bei der Aussage zur schwierigen Kaderplanung: Wer spät dran ist und deutsche Spieler verpflichten muss, findet kaum noch Qualität auf dem Markt.
Wen hat Krefeld denn überhaupt an Deutschen verpflichtet? Proske und Hauf. Und die haben meines Wissens bisher keinen entscheidenden Anteil am sportlichen Erfolg.
Warum funktioniert Krefeld aktuell so gut? Weil sie eine starke, eingespielte erste Reihe haben, einen guten Trainer, einen Kader, der in großen Teilen schon länger zusammenspielt, und weil einige Verpflichtungen in der Verteidigung sowie der Torwart bislang funktionieren.
Ich kann mich allerdings nicht erinnern, dass du nach einer der vergangenen drei Spielzeiten gefordert hättest, den Großteil unseres Kaders zu behalten, damit sich die Mannschaft besser einspielen kann.
Und beim Torwart hätte ich zu gerne deine Reaktion gesehen, wenn wir einen Goalie verpflichtet hätten, der in der finnischen Liga in den vergangenen Jahren bei der Fangquote auf den Plätzen 13, 26 und 30 gelandet wäre. Ich bezweifle, dass du eine solche Verpflichtung als besonders cleveren Schachzug gefeiert hättest.
Ob Krefeld mit diesem Kader langfristig erfolgreich sein kann, bezweifle ich übrigens ebenfalls.
Rund die Hälfte der gesamten Eiszeit ihrer deutschen Spieler verteilt sich auf gerade einmal fünf Spieler, die im Schnitt 35 Jahre alt sind. Das mag kurzfristig funktionieren, ist aber keine nachhaltige Lösung. Die Problematik, ausreichend gute deutsche Spieler zu haben, wird Krefeld früher oder später genauso treffen.
Und genau das ist mein Punkt: Man kann Krefelds aktuelle Leistung anerkennen, ohne daraus zwanghaft ein Versäumnis der Augsburger Verantwortlichen konstruieren zu müssen.
Kritik ist wichtig und richtig. Aber sie wird nicht dadurch konstruktiv, dass man unbedingt etwas finden möchte, das man kritisieren kann.