Presse vom 07.11.05
Verfasst: 07.11.2005 10:06
Man stelle sich folgende Situation vor: Ein Marktplatz im Mittelalter. Die raunende, blutrünstige Menge hat sich vor einer Holzbühne versammelt. Auf den ächzenden Brettern steht ein Henker, groß, muskulös, fett. Sein Gesicht ist mit einer schwarzen Kapuze verhüllt, in seinen nervigen Händen hält er ein schweres Beil, dessen Klinge mit einer Kruste getrockneten Blutes verklebt ist. Vor ihm kniet der Delinquent, die Hände auf den Rücken gefesselt, den Kopf auf einen Holzbock gelegt. Der Henker hebt das Beil, da sagt der Delinquent plötzlich: "Ich interessiere mich jetzt nicht für meine Gesundheit. Ich interessiere mich dafür, wie meine Gesundheit in 40 Jahren sein wird!"
Ungefähr so habe ich die Aussage von Randy Edmonds, frisch entlassenem Trainer der Augsburger Panther, interpretiert, als er sagte, der Tabellenstand im Oktober interessiere ihn nicht. War es das berühmte Pfeifen im Walde oder hatte er die Zeichen der Zeit wirklich nicht erkannt? Seine Argumente gegen die eigene Arbeitslosigkeit waren schon sehr ungewöhnlich. "Meine Frau gibt manchmal zu viel Geld aus und ich lasse mich auch nicht gleich scheiden."
Aha.
Aber so eine Scheidung wäre auch noch viel teurer als die Summe, die Mrs. Edmonds in was auch immer investiert (vermutlich Schuhe). In einem Punkt irrte Edmonds auf jeden Fall: "Wenn man jetzt den Trainer austauscht, bringt das für zehn Tage etwas." Nö, nichtmal das, am Wochenende verloren die Panther beide Spiele. "Ausser Duane könnt Ihr alle gäin", sangen die Fans.
Augsburgs Manager Max Fedra hatte eine Trainerentlassung kurz vor Vollzug noch zurückgewiesen, aber hat der nicht mal gesagt, die Gerüchte, dass die München Barons nach Hamburg umzögen, seien völliger Blödsinn? Glaubwürdigkeitsfaktor Null.
Man muss aber auch Verständnis für eine Vereinsleitung haben. Wenn man die Wahrheit sagt, wird das in der Öffentlichkeit als Schwäche ausgelegt. Also verteidigt man den eigenen Trainer bis zur letzten Sekunde, auch wenn man genau weiß, dass die Kritik angebracht ist. Sobald man sich dann notgedrungen entscheidet ihn abzusägen, macht man sich zwangsläufig auch selbst unglaubwürdig. Das ist bei jedem Verein so, kommt alle paar Jahre vor, so sind die Mechanismen. Das ist auch kein Problem, sofern die Entlassung Wirkung zeigt und sich die Mannschaft richtig reinhängt um zu beweisen, dass der Misserfolg nicht an ihr lag. Dann redet kein Mensch mehr über Glaubwürdigkeiten. Wer gewinnt, macht alles richtig, auch wenn er noch so oft falsch lag.
Verliert man allerdings weiter, so wie die Augsburger jetzt, dann hat mein ein gewaltiges Problem.
In der Kölner DEL-Zentrale reibt man sich vermutlich die Hände - eine kleine Stadt mit einer alten Halle droht abzusteigen und kann dann nie zurück kommen, Muhaaahaaahaaa.
Einen Trost haben die Augsburger immerhin: sie können noch Pokalsieger werden. Ist das nichts?
Gruß vom grauen Panther Alexander Brandt
Auch wenns weh tut, aber der Artikel ist richtig gut